Psychologin erhält Preis für Forschung zu Beeinträchtigungen bei Kindern mit Neurofibromatose

Die Diplom-Psychologin Magdalena Heimgärtner erhält in diesem Jahr den mit 10.000 Euro dotierten Klosseck-Start-Up-Preis, den unsere Stiftung Hilfe für kranke Kinder vergibt. Das Preisgeld stellt das Reutlinger Ehepaar Lore und Rolf Klosseck zur Verfügung. Heimgärtner arbeitet als Psychologin in der Neuropädiatrischen Abteilung der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin und forscht zu Beeinträchtigungen bei Kindern mit Neurofibromatose Typ 1 (NF1).

Die Neurofibromatose Typ 1 ist eine seltene, genetische Erkrankung mit einer Häufigkeit von ca. 1:300 Geburten. „Sie wird durch Genveränderungen ausgelöst“, erklärt Heimgärtner. Eine Erkrankung an NF1 führe einerseits zu körperlichen Beschwerden, wie beispielsweise gutartigen Nerventumoren, und andererseits zu vielseitigen psychischen und geistigen Beeinträchtigungen, wie Problemen in den Bereichen Aufmerksamkeit, Konzentration, Lernen und Gedächtnis, visuell-räumliche Verarbeitung und Sprache. Diese psychischen Beeinträchtigungen untersucht Magdalena Heimgärtner und erhält dafür nun eine Unterstützung durch den Klosseck-Start-Up-Preis. „Ich freue mich sehr darüber, dass der Preis in diesem Jahr an ein psychologisches Projekt geht“, so die 33-jährige Preisträgerin.

„Während im Bereich der körperlichen Beschwerden schon sehr viele Forschungsarbeiten durchgeführt wurden, gibt es im Bereich der psychischen und geistigen Beeinträchtigungen bisher deutlich weniger Arbeiten. Jedoch wirken sich diese Beeinträchtigungen oft drastisch auf das Leben der Patienten und auch auf das Familienleben aus“, betont die Psychologin. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Untersuchung der exekutiven Funktionen. „Dabei handelt es sich um geistige Kontrollmechanismen, die jeder gesunde Mensch tausendfach im Laufe eines Tages anwendet ohne überhaupt darüber nachzudenken“, sagt Heimgärtner. Sie ermöglichen ein zielorientiertes und situationsangepasstes Handeln (dazu gehören z.B. emotionale Kontrolle, Flexibilität, Initiative, Handlungsplanung und Ordnen, Organisieren). Eine Störung dieser Funktionen ist nicht nur mit Schwierigkeiten im schulischen Kontext verbunden, sondern wirkt sich in der Folge auch auf die berufliche und gesellschaftliche Perspektive des Betroffenen aus.

Daher ist die Entwicklung speziell angepasster Behandlungsansätze in diesem Bereich sehr wichtig. „Bisher können beispielsweise Aufmerksamkeitsprobleme und Verhaltensauffälligkeiten im Rahmen einer Verhaltenstherapie bei einem Kinder- und Jugendpsychotherapeuten oder bei sehr kleinen Kindern im Rahmen einer Ergotherapie behandelt werden“, sagt Heimgärtner.

Foto (vlnr): Lore Klosseck, Magdalena Heimgärtner, Rolf Klosseck und Thomas Hassel (Hilfe für kranke Kinder). (Foto: Julia Klebitz)

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